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Unterrichten und Lernen mit mehr Spaß durch Gedächtnistraining

Beispiele aus der Praxis

Unterrichten und Lernen mit mehr Spaß durch Gedächtnistraining

Gedächtnistechniken sind schon über 2000 Jahre alt und lange erprobt, aber im Schulalltag spielen sie kaum eine Rolle. Wie können Lehrer denn Lernen vermitteln? Es gibt viele praktische Tipps dazu, diese in den Unterricht einzubauen. Im Klassenzimmer und vor dem Bildschirm.  Der Einstieg ist viel leichter als vielleicht angenommen. Schon in der Grundschule kann man das Lernen mit leichten Gedächtnis-Tricks erleichtern.

Auf Gedächtnismeisterschaften werden jedes Jahr immer wieder neue Rekorde aufgestellt. Eigentlich kann sich niemand vorstellen, dass ein menschliches Gehirn fähig ist, sich zum Beispiel innerhalb von 5 Minuten mehr als 600 Zahlen oder 5000 Binärzahlen in einer halben Stunde einzuprägen und sie anschließend auch alle in der korrekten Reihenfolge wiederzugeben. Diese Teilnehmer nutzen vor allem die richtigen Techniken und haben natürlich für diese Meisterschaften sehr viel trainiert.

Gedächtnistechniken für den Schulalltag?

Aber diese Merktechniken lassen sich genauso gut auch im Schulalltag anwenden, denn sie sind nicht hochkomplex und daher leicht zu erlernen und beim täglichen Lernen oder bei der Vorbereitung auf Prüfungen anzuwenden. Schüler empfinden durch diese Art des Lernens weniger Stress, da sie wissen, dass sie sich durch die Verknüpfung von Fakten zu einer Geschichte oder mit festen Punkten am Körper oder in einem Raum alles merken können – denn sie haben ihre eigenen Spickzettel im Kopf.

Wer sich zum Beispiel einen Apfel vorstellen kann, kann sich wirklich –mit ein wenig Übung – so gut wie alles merken. Alle Schüler einer Klasse, die die Techniken an einer Hauptschule in einem kurzen Workshop gelernt hatten, schrieben im nächsten Biotest eine 1. Der Lehrer dachte zunächst, dass alle gespickt hätten, aber die Schüler hatten nur die Techniken genutzt, die sie gerade gelernt hatten und sich gemeinsam Bilder zu dem Lernstoff ausgedacht.

Selbstverständlich eignen sich die Fächer bei denen man Fakten lernen muss besser als Fächer, in denen das Verstehen im Vordergrund steht. Aber auch hier können Bilder zum Verständnis und Erinnern beitragen.

Wie funktionieren die Gedächtnistechniken?

Unser Gehirn kann sich Bilder und Geschichten – also Bildgeschichten oder Comics – besonders gut merken. Zudem prägen wir uns Informationen leichter ein, die miteinander in einem Zusammenhang stehen und dazu auch noch lustig, außergewöhnlich und somit merkwürdig sind. Wichtig ist, dass man sich diese Geschichten richtig gut, also bildhaft, vorstellt.

Ein einfaches Beispiel beim Vokabel lernen: Bei der lateinischen Vokabel „cubare“ – liegen – könnte man an Kuba denken, wo man gerade am Strand liegt und sich sonnt, oder an eine Kuh, die auf einer Bahre liegt. Diese Technik funktioniert auch mit Englisch-Vokabeln: „morose“ heißt zum Beispiel mürrisch. Da kann man sich zum Beispiel eine Moor-Rose vorstellen, die mürrisch dreinschaut, weil sie ganz alleine im Moor steht. Bei dem italienischen Wort “divano” für Sofa denkt man vielleicht an eine Diva, die auf einem Sofa sitzt und NO singt.

Wenn Sie gemeinsam mit den Schülern etwas Neues lernen wollen, müssen Sie sich zu den Lehrinhalten, nachdem sie erklärt wurden, kleine Geschichten ausdenken. Diese sollten simpel, lustig, ungewöhnlich oder mit Emotionen verbunden sein. Das ist der ganze Trick. Wenn der Unterrichtsstoff erklärt wurde, kann man gemeinsam beginnen, sich ein paar Bilder oder Geschichten zu überlegen. Nachdem die Techniken den Schülern verständlich sind, können sie das Gelernte natürlich eigenständig fortsetzen und sich beim Lernen nun ihre eigenen Geschichten ausdenken.

Es ist nämlich gar nicht langweilig und anstrengend, sich Lerninhalte zu merken.

Lernen mit Gedächtnistechniken in der Grundschule

Auch hier kann man Kindern mit kleinen Geschichten schon weiterhelfen. Das ABC kann, wenn beim Erlernen Probleme auftreten, zum Beispiel mit Hilfe einer einfachen Geschichte gelernt werden. Ein Apfel besucht eine Biene, die gerade einen Clown kennengelernt hat. Sie treffen sich auf einem Dach und sehen, dass ein Esel unten vorbeitrottet.

Werden bei der Rechtschreibung immer wieder die gleichen Fehler gemacht, helfen auch hier Bilder. Schreibt ein Kind das Wort Fahne immer ohne „h“, könnte man es fragen, welches Wort ihm zu „H“ einfällt. Die Antwort ist vielleicht „Hase“ und gemeinsam denkt man sich ein schönes Bild aus, zum Beispiel ist auf der Fahne ein Hase abgebildet.

Auch Blätter und Bäume können mit Bildern verbunden werden, wenn man sich lustige Assoziationen und Gemeinsamkeiten ausdenkt. Bei der Buche könnte man an ein Buch denken und sich vorstellen, wie man es unter einer Buche liest.

Wie kann man sich Listen oder Abbildungen merken?

Hier eine Übung, um sich die 16 Bundesländer Deutschlands einzuprägen: Stellen Sie sich einen Bayern in seiner Lederhose vor, der das Oktoberfest besucht. Er hört das Rattern und Geschrei der Fahrgeschäfte, Blaskapellen und Luftballons, die zerplatzen. Herzlich willkommen in Bayern. Damit haben Sie schon das erste Bundesland. Auf dem Oktoberfest gewinnt der Bayer eine Badehose und wandert mit ihr über einen Berg nach Baden-Württemberg. Unterwegs stellt er sich vor, wie es platscht, wenn er mit der Badehose das erste Mal ins Wasser springt und sich dann vielleicht an einen Sandstrand (Saarland) setzt. Er hört fast den Sand unter seinen Füßen knistern. Doch jetzt ist es wirklich Zeit für Geplansche.

Er springt in den Rhein (Rheinland-Pfalz) und hört die Schiffe tuten, während er sich nach Norden treiben lässt (Nordrhein- Westfalen). An einem schönen Ufer will er etwas essen, das reimt sich auch auf Hessen. Vor lauter Freude schmatzt er sogar. Neben seiner Picknickdecke öffnet sich plötzlich eine ganz fürchterlich quietschende Tür nach Thüringen. Hinter dieser quietschenden Tür findet er ein gut klingendes Saxophon (Sachsen). Er schnappt sich das Saxophon – «Badupidupadupudu» – und spielt so verdammt schief, dass er einen Bären (Berlin) aufweckt, der furchterregend brüllt. Da rennt der Mann zurück in die Brandung (Brandenburg) und hört, wie das Flusswasser schäumt.

Er lässt sich wieder ein wenig treiben und lauscht dem Vogelgezwitscher, bis er sich entschließt, per Anhalter (Sachsen-Anhalt) in die nächste Stadt zu fahren. Dort angekommen, hört er die Bremer Stadtmusikanten (Bremen), die auch laut und schief musizieren. Schon wieder schief! Die sind deswegen alle ganz schön niedergeschlagen (Niedersachsen) und klagen ihm ihr Leid, denn sie haben großen Hunger. Das kann er natürlich nicht tatenlos hinnehmen und besorgt allen einen großen Hamburger mit Pommes (Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern). Dann setzt er sich zusammen mit den Musikanten auf einen hohlen Stein (Schleswig-Holstein), um den Tag gemeinsam gemütlich ausklingen lassen.

Das geht auch im Klassenzimmer!

Natürlich können Sie sich nicht nur Geschichten ausdenken, sondern auch eine Route im Klassenzimmer festlegen. Mit den jeweiligen im Raum festgelegten Punkten verbinden Sie dann den Lernstoff. Die Schüler*innen können ihre persönlichen Routen in der eigenen Wohnung oder auf dem Schulweg festlegen. Es gibt also viele Möglichkeiten, Gedächtnistraining in den Unterricht zu integrieren, um den Schülern Tipps an die Hand zu geben und sie zum Lernen zu motivieren. So können die Schüler ihre eigene Kreativität und Fantasie in den Lernprozess mit einbinden.

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Lernen soll Spaß machen" - das ist Christiane Stenger’s Motto. Bereits mit 12 Jahren erhielt sie den Titel „Grand Master of Memory” und zählte zu ihrer aktiven Zeit weltweit zu den Top Ten im Gedächtnissport. Neben Bestsellerbüchern (u.a. „Warum fällt das Schaf vom Baum“), Vorträgen und TV-Shows entwickelte Christiane das Konzept „Merken lernen“. In diesem neuen Online Kurs extra für Kinder und Eltern, erklärt sie Gedächtnistraining-Techniken einfach und leicht verständlich. „Merken Lernen“ baut auf Lernspielen, gezielten Trainingsplänen fürs Langzeitgedächtnis und fantasievollen Geschichten auf. Auf www.merkenlernen.de können so Kinder und Eltern lernen wie sie: Bessere Prüfungsergebnisse erzielen, mehr Motivation beim Lernen entwickeln und Kreativität, Fantasie und Selbstbewusstsein steigern. Kurzum: Mehr Lernen in weniger Zeit.

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