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Digitalisierung? Ich faxe Ihnen dann meinen Antrag!

Beispiele aus der Praxis

Digitalisierung? Ich faxe Ihnen dann meinen Antrag!

Oh nein, da ist es wieder – dieses neue Modewort, welches einen nahezu anschreit: Digitalisierung. Wir brauchen sie, wir wollen sie, wir können nicht mehr ohne und IHR müsst sofort dafür sorgen.

Im Folgenden zeigen wir Ihnen einen Leserbrief zum Thema Digitalisierung, der uns von Thorsten Muschinski, dem Vorsitzenden im Landeselternbeirat der Gemeinschaftsschulen Schleswig-Holstein und Delegiertem im Bundeselternrat, erreicht hat.

Oh nein, da ist es wieder – dieses neue Modewort, welches einen nahezu anschreit: Digitalisierung. Wir brauchen sie, wir wollen sie, wir können nicht mehr ohne und IHR müsst sofort dafür sorgen.

Aber ist es wirklich die Lösung all unserer Probleme? Reicht es, SuS und Lehrkräften ein Gerät auf den Tisch zu stellen, Schulen auszustatten, Software zu liefern und damit sind alle Fragen geklärt? Die Antwort ist ebenso klar, wie ernüchternd: Nein, es reicht nicht! Wo sind die Unterrichtskonzepte, wer hat die Lehrkräfte in dieser vollkommen neuen Art zu unterrichten geschult, wer hat die SuS und Eltern darauf vorbereitet??

Damit hier keine Missverständnisse aufkommen, ich bin kein Gegner der Digitalisierung, ganz im Gegenteil ich befürworte es und fordere ebenso, dass hier schnelle Fortschritte gemacht werden, aber eben mit Sinn und Verstand!

Wenn man sich an den Schulen umsieht, sind an vielen Stellen bereits große Fortschritte gemacht, sozusagen der Grundstock gelegt worden. Aber es gibt auch viele Negativbeispiele. Schulen deren einziger PC bei der Schulleitung auf dem Tisch steht, Schulen mit über 1.000 SuS, die zwar gut ausgestattet sind, aber lediglich über einen minimalen Internetanschluss aus dem Consumer Bereich verfügen.

Und all das in diesen Zeiten von Corona, wo doch ein funktionierendes System überlebenswichtig ist. Niemand weiß, was die kommenden Monate bringen werden: Steigen die Infektionen, sodass mehr Homeschooling notwendig ist und kommt ein erneuter Lockdown? Umso mehr wäre es die Pflicht der Länder gewesen, die vorhandenen finanziellen Mittel dafür einzusetzen, eine digitale Umgebung zu schaffen, wie auch die Menschen, die damit arbeiten sollen, darauf vorzubereiten sie zu nutzen. Leider kann man hier nur ein flächenweites Versagen bescheinigen.

Das ist der Stand, aber was nun? Nun heißt es die Zähne zusammen zu beißen und mit den vorhandenen Möglichkeiten bestmöglich die Klippen zu umschiffen. Wir müssen nach vorn sehen und für die SuS ein bestmögliches Maß an Bildung gewährleisten, denn jeder Tag verlorene Bildung ist einer zu viel.

Aber hier kommen wir vor allem auch ganz schnell an die Grenzen der Eltern, denn wir sind keine Ersatz-Lehrkräfte. Bisher ist es leider eher der Regelfall, dass Eltern bei der Erledigung der Aufgaben unterstützen, aber das ist nur sehr begrenzt und für einen kurzen Zeitraum möglich. Außerdem ist es ein extremer Nährboden für häusliche Konflikte, die sich aufgrund der allgemeinen Situation derzeit bereits massiv häufen. Das Homeschooling darf nicht länger als ABM-Maßnahme für die SuS und Eltern dienen, sondern muss dem Anspruch von Unterricht gerecht werden.

Das ist das Bildungssystem unseren Kindern schuldig – Das sind WIR unseren Kindern schuldig. Hoffnung allein schafft keine Bildung!

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Thorsten Muschinski

Vorsitzender im Landeselternbeirat der Gemeinschaftsschulen Schleswig-Holstein Delegierter im Bundeselternrat

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