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Wie man Digitalisierung und Pädagogik perfekt verbindet

Beispiele aus der Praxis

Wie man Digitalisierung und Pädagogik perfekt verbindet

Der Deutsche Schulpreis 2021 war, wie ungefähr alles dieser Tage, anders als sonst. Nicht nur dass die Preisverleihung online stattfand, daran hat man sich ja mittlerweile fast schon gewöhnt, aber da das Bildungswesen von der anhaltenden Corona-Krise besonders stark getroffen wurde und der Unterricht seit über einem Jahr ziemlich wenig mit dem zu tun hat, was wir bisher kannten wäre es auch unsinnig gewesen, die Anforderungen nicht anzupassen. Dieses Jahr wurden insgesamt sieben Schulen ausgezeichnet, die besondere Konzepte in der Pandemie erarbeitet haben, welche das Potenzial haben, das Lernen nachhaltig zu verändern.

In der Kategorie „Bildungsgerechtigkeit fördern“ hat sich die Grundschule am Dichterviertel in Mühlheim an der Ruhr durchgesetzt, die außerdem eine beachtliche Entwicklung genommen hat. Denn als die Schule 2013 von Schulleiterin Nicola Küppers übernommen wurde, hatte sie einen schlechten Ruf, lag im Vergleich mit anderen Grundschulen weit hinten und hatte kaum neue Anmeldungen. Heute hat sie fast doppelt so viele SchülerInnen wie damals, ist stark nachgefragt und ist leistungstechnisch auf einem überdurchschnittlichen Niveau. Dieser Sprung ist natürlich kein Zufall, man hat sich auf klare Qualitätsstandards verständigt und übt eine offene Fehler- und Feedbackkultur aus.

„Bildungsgerechtigkeit ist nicht nur ein Schlagwort, sondern wird bei uns gelebt“

Unter anderem diese Kultur hat ihnen den Deutschen Schulpreis 20|21 Spezial eingebracht, denn sie haben viel Wert darauf gelegt, dass von all ihren Leitideen auch trotz der Pandemie so viel wie möglich erhalten bleibt. Es sollte sowohl das Lernen real erfahr- und erlebbar bleiben, als auch die Beziehungen erhalten bleiben und dabei sollte niemand benachteiligt werden. Die Schule selbst war zwar durch ein vor Jahren gestartetes Digitalisierungsprogramm gut auf den Fernunterricht vorbereitet, nicht so aber die Haushalte der SchülerInnen. Deswegen wurde per Umfrage festgestellt, wo Bedarf bestand und dann Leihgeräte und WLAN-Guthaben angeschafft, damit jeder auf gleiche Art und Weise das neue Bildungsprogramm nutzen konnte. Die Eltern wurden darüber hinaus in der Nutzung des neu angeschafften Schulmessengers geschult und ihnen wurden mehrsprachige Erklärvideos zur Verfügung gestellt.

© Deutscher Schulpreis

Eine weitere wichtige Säule des prämierten Konzepts der Grundschule am Dichterviertel war es eine klare und wiederkehrende Struktur für alle SchülerInnen zu schaffen. So wurde der klassische Stundenplan durch einen „digitalen Sendeplan“ ersetzt und Rituale wie der (digitale) Morgenkreis wurden beibehalten. Der digitale Sendeplan beinhaltete nach dem Morgenkreis mit individueller Lernwegsplanung Videokonferenzen und selbständige Arbeitsphasen, sowie am Ende jedes Schultages eine Lernwegsreflexion mit Ausblick. Die Aufgaben, welche in den selbstständigen Arbeitsphasen bearbeitet werden, waren dabei so konzipiert, dass die SchülerInnen nichts ausdrucken mussten. Außerdem waren während der selbständigen Arbeitsphasen immer Lehrkräfte per Video erreichbar, die für das Beantworten von Fragen bereitstanden.

Emotionale Bindung ohne physische Nähe

Des Weiteren haben die Verantwortlichen auch darauf gesetzt, dass die emotionalen Bindungen bestehen bleiben, ohne dass die physische Nähe gegeben ist – daher auch der Name des eingereichten Konzepts „Wertschätzung und Partizipation trotz Distanz“. Dafür wurde eine Videowand mit Videobotschaften eingerichtet, sowie eine digitale Freundschaftsbank, bei der SchülerInnen sich anmelden können und dann die Möglichkeit haben mit anderen Kindern zu schreiben, wenn sie sich einsam fühlen. Außerdem wurden beispielsweise virtuelle Führungen durch Zoos auf der ganzen Welt zur Verfügung gestellt, damit die Kinder immerhin auf diese Art und Weise etwas mehr als nur ihr eigenes Zuhause sehen konnten.

Die Grundschule am Dichterviertel aus Mühlheim an der Ruhr besticht durch ein wunderbares Rundum-Konzept. Den Preis hat sie zwar für die gelebte Bildungsgerechtigkeit gewonnen und das ist auch absolut gerechtfertigt, denn tatsächlich dafür zu sorgen, dass jede Familie Zugang zum gleichen Projekt bekommt, ist eine beachtliche Leistung. Allerdings sind auch die generelle Idee und Umsetzung des digitalen Konzepts innovativ, pragmatisch und zukunftsfähig. Ein würdiger Gewinner des Preises und ein Konzept (hier klicken) an dem man sich gut und gerne ein Beispiel nehmen darf und sollte.

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Mika Rüther

Mika Rüther, der Bob Andrews des Digitale Schule kompakt - Teams, welcher als unser jüngster Redakteur täglich mit der Rechereche zu aktuellen Themen, den neuesten Diskussionen auf Twitter und dem interviewen spannender Persönlichkeiten aus dem Schulleben für unseren Blog beschäftigt ist. Er selbst hat vor nicht all zu langer Zeit sein Abi gemacht und weiß deshalb ganz genau, was Digitalisierung an unseren Schulen tatsächlich bedeutet.

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